Was sichert den Wert einer Währung und warum werden Währungen überhaupt akzeptiert?

Jeden Freitag veröffentlichen wir einen kurzen Beitrag von Randall Wray, der schrittweise eine umfassende Theorie aufbaut, wie Geld in souveränen Ländern "funktioniert". Die Beitragsserie entstammt der Einführung in die "Modern Monetary Theory" (MMT) von Randall Wray aus dem Jahre 2011 auf der Website „New Economic Perspectives“ und wurde von Michael Paetz und Robin Heber ins Deutsche übersetzt. Zudem wird Vorstandsmitglied Dirk Ehnts jeden Freitagabend von 19-20 Uhr auf Facebook Fragen zum Beitrag der Woche beantworten. Ihr könnt uns natürlich auch gerne Fragen über das Emailformular (unten auf dieser Seite) schicken.

Von L. Randall Wray


Letzte Woche haben wir das Konzept einer souveränen Währung eingeführt. Als ich anfing zu unterrichten, dachten die meisten Studierenden, dass der US-Dollar durch Gold gedeckt sei – dass er wertvoll war, weil Fort Knox (Anm. d. Redaktion: Ein Stützpunkt der U.S. Army, der vor allem als Lager für die Goldreserve des Schatzamtes der Vereinigten Staaten bekannt ist) mit Gold gefüllt war. Sie dachten, wenn sie mit einem Haufen Bargeld zum Fort fuhren, konnten sie ihren Kofferraum mit Gold beladen. (Sie waren schockiert, als sie herausfanden, dass es seit ihrer Geburt keine Golddeckung mehr gegeben hatte.) Heute glaubt daran fast niemand mehr– die Studierenden haben alle gelernt, dass unsere Währung „fiat“ ist (Anm. d. Red.: lateinisch für "Es sei getan! Es geschehe! Es werde!") – also durch nichts gedeckt wird.


Was sichert den Wert einer Landeswährung?


Es gibt und hat historisch gesehen schon immer viel Verwirrung um souveräne Währungen gegeben. Zum Beispiel tun und taten sich viele politische Entscheidungsträger und Ökonomen schwer, zu verstehen, warum der private Sektor eine von der Regierung herausgegebene Währung überhaupt akzeptiert, wenn diese hiermit Einkäufe tätigt.


Einige haben argumentiert, dass es notwendig sei, eine Währung durch ein Edelmetall zu decken, um zu gewährleisten, dass Zahlungen mit der Währung überhaupt akzeptiert werden. Historisch gesehen haben Regierungen Gold- oder Silberreserven zur Deckung ihrer Landeswährung gehalten. Man hat angenommen, dass es zur Akzeptanz der Währung beiträgt, wenn die Bürger eines Landes ihre Währung jederzeit bei der Regierung gegen ein Edelmetall eintauschen könnten. Eben weil Geld dieser Währung dann als "genau so Wertvoll wie Gold" angesehen würde. Manchmal enthielt die Währung selbst einen Edelmetallanteil – wie im Fall von Goldmünzen. In den USA hielt das Finanzministerium bis in die 1960er Jahre Goldreserven in Höhe von 25 % des Wertes der von ihr ausgegebenen Währung (interessanterweise durften amerikanische Bürger keine Währung gegen Gold handeln; nur ausländische Inhaber von US-Währung konnten dies tun).


Die USA und die meisten Nationen haben diese Praxis jedoch längst aufgegeben. Und selbst ohne Goldunterstützung ist die US-Währung weltweit immer noch sehr gefragt. Die Ansicht, dass eine Währung stets Edelmetall-Unterstützung braucht, ist daher falsch. Wir sind zu einer so genannten „Fiat-Währung" übergegangen, die nicht durch Edelmetallreserven gestützt wird. Während einige Länder ihre Währungen explizit mit einer ausländischen Währung absichern (z. B. sogenannte „Currency-Board“-Vereinbarungen, bei der die Landeswährung auf Verlangen zu einem bestimmten Wechselkurs gegen den US-Dollar oder eine andere Währung eingetauscht werden kann), geben die meisten Regierungen eine Währung aus, die auch nicht durch Fremdwährungen abgesichert wird. Wir sollten also herausfinden, warum eine Währung wie der US-Dollar ohne eine solche "Absicherung" zirkulieren kann.


Rechtsprechungen über gesetzliche Zahlungsmittel


Eine Erklärung, die angeboten wurde, um die Akzeptanz der staatlichen "Fiat"-Währung zu erklären (eine Währung bei der also nicht explizit versprochen wird, dass sie in Gold oder Fremdwährung umgewandelt werden kann), folgt aus den Rechtsprechungen zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Historisch gesehen haben souveräne Regierungen Gesetze erlassen, die vorschreiben, dass ihre Währungen bei inländischen Zahlungen akzeptiert werden müssen. Tatsächlich steht auf den Papierscheinen des US-Dollars: „Diese Banknote ist ein gesetzliches Zahlungsmittel für alle öffentlichen und privaten Schulden"; kanadische Scheine lassen verlauten „diese Banknote ist gesetzliches Zahlungsmittel"; und auf australischer Papierwährung wird verkündet: „Diese australische Banknote ist gesetzliches Zahlungsmittel in ganz Australien und seinen Territorien." Im Gegensatz dazu sagt die Papierwährung des Vereinigten Königreichs einfach: „Ich verspreche, dem Inhaber auf Verlangen die Summe von fünf Pfund zu zahlen" (im Falle des Fünf-Pfund-Scheins). Auf Euroscheinen befinden sich keine Versprechungen und es gibt auch keine Gesetze, die den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel festlegen.


Darüber hinaus gibt es im Laufe der Geschichte viele Beispiele von Regierungen, die ein gesetzliches Zahlungsmittel bestimmt haben, aber dennoch keine Nachfrage nach ihren Währungen erzeugen konnten – die in privaten Zahlungen nicht akzeptiert und manchmal sogar als Zahlung an den Staat abgelehnt wurden. (In einigen Fällen beinhaltete die Strafe für die Weigerung, die Münze eines Königs zu akzeptieren, das Einbrennen einer roten heißen Münze in die Stirn des Widerspenstigen – was darauf hindeutet, dass die Bevölkerung sich ohne solchen außergewöhnlichen Zwang weigerte, die Währung des Souveräns zu akzeptieren.) Daher gibt es Währungen, die ohne den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels (wie den Euro) zirkulieren, sowie Währungen, die trotz des Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels gemieden wurden. Darüber hinaus zirkuliert der US-Dollar, wie wir wissen, in einer großen Anzahl von Ländern, in denen er kein gesetzliches Zahlungsmittel ist (und sogar in Ländern, in denen seine Verwendung von den Behörden abgeraten und vielleicht sogar verboten wird). Wir kommen zu dem Schluss, dass gesetzliche Zahlungsmittelbestimmungen dies allein nicht erklären können.


Wenn "modernes" Geld i.d.R. nicht durch Fremdwährungen gestützt wird und auch keiner gesetzlichen Rechtsprechung bedarf, um akzeptiert zu werden, warum wird es dann akzeptiert? Es scheint ein ziemliches Rätsel zu sein. Die typische Antwort in Lehrbüchern ist, dass Menschen ihre nationale Währung akzeptieren, weil sie wissen, dass andere sie ebenfalls akzeptieren. Mit anderen Worten, sie wird akzeptiert, weil sie akzeptiert wird. Die typische Erklärung beruht also auf einem “infiniten Regress": John akzeptiert die Währung, weil er glaubt, dass Maria sie akzeptieren wird, und sie akzeptiert sie, weil sie glaubt, dass Walmart sie wahrscheinlich annehmen wird. Was für ein seidener Faden, an dem eine solche Geldtheorie hängt!


Persönlich wäre es mir peinlich, so etwas in meinem eigenen Lehrbuch zu schreiben oder zu versuchen, einen skeptischen Studenten davon zu überzeugen, dass die Akzeptanz von Geld auf der "heißen Kartoffel"-Theorie des Geldes basiert: Ich akzeptiere eine Dollar-Rechnung, weil ich denke, dass ich sie an irgendeinen Depp weitergeben kann.


Nun, das gilt sicherlich für Falschgeld: Dies würde ich nur in der Erwartung annehmen, dass ich es heimlich weitergeben könnte.


Aber ich werde sicher nicht versuchen, die Leser dieser Beitragsreihe von einer solchen albernen Theorie zu überzeugen. Nächste Woche liefere ich ein überzeugenderes Argument. Sie können schon mal versuchen, die Antwort zu erraten.


Wie in einer guten mexikanischen Seifenoper müssen wir Sie noch etwas zappeln lassen. Ich weiß, dass viele Leser die Antwort bereits kennen und die reißen Ihre Hände nun hoch in die Luft und sagen: „Rufen Sie mich an, ich weiß, wer es getan hat".


Aber denken Sie daran, dass dies eine Einführung ist und nicht alle Ihre Klassenkameraden die Antwort (schon) kennen. Also, bitte verraten sie nicht die Handlung. In den Kommentaren zu diesem Blog sollten wir begrifflich zwischen "Goldstandard"-, "Fiat-Währung"-, "Gesetzliches Zahlungsmittel-" und "Heiße Kartoffel"-Theorien des Geldes unterscheiden. Ich bin sicher, dass wir immer noch ein paar "Goldgräber" da draußen haben. Sie jubelten wahrscheinlich, als Ron Paul (Anm. d. Red.: ehemaliger republikanischer Abgeordneter) Bernanke (Anm. d. Red.: ehemaliger Chef US-Zentralbank) fragte, ob Gold Geld sei. Ist Gold Geld? Kann es Geld sein? Wenn Gold kein Geld mehr absichert, warum hält die Fed es dann noch? Könnte eine Währung durch nichts anderes als Vertrauen gestützt werden – die Erwartung, dass irgendjemand sie irgendwo annehmen wird?


Viel Spaß beim Nachdenken.

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