Sparen und Investieren: Deutschland in der Eurozone


Der Ökonom Jan Priewe hat jüngst ein Papier bei der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung herausgegeben, in dem er sich mit der Rolle Deutschlands im Euro beschäftigt. Das Papier ist auf Englisch abgefasst und kann hier heruntergeladen werden. Auf S. 37 findet sich eine interessante Stelle, in der es um Sparen, Investieren und die Leistungsbilanz geht:


So, national saving, understood as a flow or as a stock of savings, is not the “loanable fund” usable to finance any kind of project. There is no fixed loanable fund in a monetary economy, in particular not in advanced countries with a huge financial sector. This distinction of finance and saving implies that there is no trade-off of capital exports versus financing domestic expenditure due to a limited “loanable fund”, as asserted by some observers. However, it is true that more domestic spending in a surplus country like Germany likely triggers some more imports which could reduce the trade surplus and hence curtail net capital exports. The potential for gross capital exports remains unaffected.


Die nationalen Ersparnisse sind definiert als Investitionen plus Leistungsbilanzüberschuss. Dies wird häufig so gedeutet, dass Ersparnisse die Investitionen finanzieren. Häufig wird dabei die Gleichung einfach nach den Investitionen aufgelöst, so dass diese sich ergeben aus Ersparnissen plus Leistungsbilanzüberschuss. Diese Lesart, so schreibt es auch Jan Priewe, ist jedoch falsch. Die Ersparnisse sind der buchhalterische Schatten der Investitionen bzw. des Leistungsbilanzüberschusses. Wieso ist das so?


Schauen wir uns ein deutsches Unternehmen an, welches Lizenzen ins Ausland verkauft. Das Unternehmen hat keine Ausgaben aber Einkommen. Nicht verausgabtes Einkommen ist die Ersparnis. Die Exporte des deutschen Unternehmens sorgen also für eine höhere nationale Ersparnis. Die ausländischen Käufer bezahlen mit ihrem Geld, welches sie bei den Banken halten. Keineswegs nutzen sie für den Kauf Kredite aus Deutschland!


So ist es auch bei Ersparnissen, die aus nationalen privaten Investitionen entstehen. Angenommen, Max Mustermann nimmt bei seiner Bank einen Kredit auf und beauftragt eine Firma, ihm eine Garage zu bauen für sein kleines Unternehmen. Wenn Max das Geld ausgibt, dann bekommt er eine Investition und die beauftragte Firma einen Einnahmenüberschuss, welcher eine Ersparnis darstellt.


Die Ersparnis ist also ein Einnahmenüberschuss, der aus einem Ausgabenüberschuss resultiert. So mit finanziert die Ersparnis keine Investitionen.


Wenn die Firma ihren Einnahmenüberschuss von Bankeinlagen in Google-Aktien umwandelt, dann bekommt Google kein Geld. Lediglich ein anderer Besitzer von Google-Aktien hat danach weniger Google-Aktien und mehr Bankeinlagen. Wie gesagt: Ersparnisse finanzieren keine Investionen!

Dies gilt auch für den Fall, dass der Investor sein Guthaben auf der Bank benutzt, um bspw. Maschinen zu erwerben. In dem Fall reduziert er sein Vermögen, um die Investition zu finanzieren. Ersparnis ist eine Flussgröße und daher einer Zeitperiode zuzuordnen (normalerweise ein Jahr), während Vermögen eine Bestandsgröße ist (zu einem Zeitpunkt). Leider benutzen wir häufig das Wort Ersparnis für Vermögen, was zu einer mittelschweren Konfusion führt, wenn es um die Diskussion der Finanzierung von Investitionen geht. Wichtig ist: in einer monetären Wirtschaft Kapitalgüter werden mit Bankgeld gekauft, und nicht mit zurückbehaltener Produktion (= nicht verausgabtes Einkommen = Ersparnis).

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