MMT für Österreicher

Jeden Freitag veröffentlichen wir einen kurzen Beitrag von Randall Wray, der schrittweise eine umfassende Theorie aufbaut, wie Geld in souveränen Ländern "funktioniert". Die Beitragsserie entstammt der Einführung in die "Modern Monetary Theory" (MMT) von Randall Wray aus dem Jahre 2011 auf der Website „New Economic Perspectives“ und wurde von Michael Paetz und Robin Heber ins Deutsche übersetzt. Zudem wird Vorstandsmitglied Dirk Ehnts jeden Freitagabend von 19-20 Uhr auf Facebook Fragen zum Beitrag der Woche beantworten. Ihr könnt uns natürlich auch gerne Fragen über das Emailformular (unten auf dieser Seite) schicken.

Von L. Randall Wray


In den letzten Beiträgen haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was die Regierung tun sollte, und in der letzten Woche das Konzept des Gemeinwohls diskutiert.


Es ist klar, dass wir wollen, dass die Wirtschaft viele Dinge für uns tut, und der nichtstaatliche Sektor kann auch sehr vieles davon leisten. Ein Teil der nichtstaatlichen Versorgung wird zwar nicht in Geldeinheiten gemessen, weil sie außerhalb von Märkten erfolgt, zum Beispiel die unbezahlte Arbeit innerhalb einer Familie. Vieles wird aber auch von der "monetären Produktionswirtschaft" bereitgestellt - dem Teil der Wirtschaft, in dem die Produktion mit Geld beginnt, um am Ende mehr Geld zu erhalten. (Einige Leser werden wissen, wer die Quelle für diese Phrase ist - und wir werden in ein paar Wochen mehr dazu sagen.)


Doch während sowohl die nicht-monetäre wie auch die monetäre Produktion durch die nichtstaatlichen Sektoren eine Vielzahl an Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stellen kann, kann sie nicht alles bieten, was wir wollen. Man kann sogar argumentieren, dass wir, je reicher und entwickelter eine Gesellschaft wird (manche verwenden sogar den Begriff "fortgeschritten", was aber ungerechtfertigt sein kann), Bedürfnisse und Wünsche "höherer Ordnung" entwickeln.


(Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, aber man könnte durchaus argumentieren, dass wir beim Übergang von, sagen wir, einer Stammesgesellschaft zu einer monetären kapitalistischen Gesellschaft viel mehr Versorgung aus dem Zentrum benötigen, gerade weil weniger von verwandtschaftlichen Gruppen zur Verfügung gestellt werden kann und wird. Um es einfach auszudrücken, der Übergang zu einer monetären Wirtschaft legt unweigerlich mehr Verantwortung auf den Emittenten des Geldes - die souveräne Regierung. Monetäre Volkswirtschaften entwickeln sich weiter und schaffen mehr Bedürfnisse höherer Ordnung, die nur monetär befriedigt werden können, und zwar durch die Regierung, die das Geld ausgibt).


Wenn Sie sich an unsere Diskussion von letzter Woche über anerkannte Menschenrechte zurückerinnern, könnte es offensichtlich so sein, dass wir über die Produktion innerhalb eines Haushalts und die Produktion durch gewinnorientierte Firmen hinausgehen müssen, um diese Rechte zu gewährleisten. Mit anderen Worten: Das, was man als "Gemeinwohl" bezeichnet, kann sich durchaus vergrößern.


Wenn wir darüber hinaus Überlegungen zur ökologischen Nachhaltigkeit berücksichtigen, wird sich der Bereich des Gemeinwohls wahrscheinlich erweitern. (Diejenigen, die mit der Arbeit von Karl Polanyi vertraut sind, werden den Zusammenhang mit dem Argument der "doppelten Bewegung" erkennen. Die kapitalistische Entwicklung schafft Umweltprobleme, die eine öffentliche Antwort erfordern.)


Die wohl umstrittenste Debatte zwischen links und rechts ist die über den besten Weg, dem Gemeinwohl zu dienen. Wie ich letzte Woche zugegeben habe, gibt es einige, die so weit gehen würden, das Konzept gänzlich zu leugnen, und vielleicht noch mehr, welche die meisten der aufgeführten Menschenrechte leugnen würden. Aber lassen Sie uns hier mit unserer Diskussion fortfahren und davon ausgehen, dass es ein anerkanntes Gemeinwohl gibt. Der Streitpunkt ist die Frage, wie man ihm am besten dienen kann.


Die Konservativen neigen zur Argumentation, dass der Handlungsspielraum der Regierung sehr eng sein sollte, selbst wenn man sich über das Gemeinwohl einig ist. Sie glauben, dass Haushalte und Unternehmen für die meisten wirtschaftlichen Bedürfnisse und Wünsche sorgen können. Die Regierung wird nur in eng begrenzten Bereichen benötigt - etwa bei Polizei und Militär. Es wird oft auf die Vorteile "freier Märkte" und auf Adam Smiths Begriff der unsichtbaren Hand verwiesen. Kurz gesagt ist dies die Idee, dass Individuen, die ihr eigenes Interesse verfolgen, "wie von einer unsichtbaren Hand" geleitet werden, um das zu tun, was tatsächlich im Interesse der Gesellschaft als Ganzes ist. Die Steuerung erfolgt durch den Markt, genauer gesagt durch Preise, die als Signale wirken. Wenn mehr Juristen gebraucht werden, werden ihre Gehälter auf dem Markt in die Höhe getrieben, und die Studenten reagieren, indem sie auf das Studium der Rechtswissenschaften umsteigen. Das ist eine sehr schöne Metapher.


Es gibt aber zwei Probleme mit dieser Geschichte. Erstens ist es nicht wirklich die Sichtweise von Adam Smith. Zweitens hat die Wirtschaftstheorie so ziemlich jede Hoffnung zerstört, dass Märkte in der realen Welt auf diese Weise funktionieren könnten. Und ich spreche nicht von der keynesianischen oder einer anderen kritischen Wirtschaftstheorie - ich spreche von Ökonomen, die verzweifelt "beweisen" wollten, dass die unsichtbare Hand auf die behauptete Weise funktioniert.


Lassen Sie uns kurz diese beiden Probleme betrachten, bevor wir zum Thema MMT für Österreicher übergehen.


Adam Smith und die unsichtbare Hand


Einer der größten Kenner von Adam Smith, Warren J. Samuels, hat kürzlich ein Buch über die Metapher der unsichtbaren Hand veröffentlicht. (Erasing the Invisible Hand: Essays on an Elusive and Misused Concept in Economics. New York: Cambridge University Press, 2011. xxviii + 329 pp. $95 (Hardcover) ISBN: 978-0-521-51725-6.) Es wurde rezensiert von Gavin Kennedy. Da das Winken mit der unsichtbaren Hand und der Verweis auf Adam Smith als Vater des Begriffs so alltäglich sind, möchte ich hier ausgiebig aus Kennedys Rezension zitieren.

Zitat: "Smith hat die Phrase nicht "geprägt". Es war in der Antike von Aischylos bis zum heiligen Augustinus und später in zahlreichen theologischen Texten, Predigten, Theaterstücken (Shakespeare), Gedichten und Romanen (Defoe, Walpole) sowie in der politischen Rhetorik (George Washington) weit verbreitet. (...) Adam Smith verwendete es nur zweimal als Metapher in seiner Theory of Moral Sentiments (1759) und Wealth of Nations (1776) und einmal in seiner History of Astronomy (1795, posthum). Nach Smith wurde die Metapher der unsichtbaren Hand unter Ökonomen bis 1875 nicht mehr erwähnt und danach war es fast still, bis sie wiederentdeckt und ab den 1940er Jahren zum "Gründungskonzept" der modernen Ökonomie erhoben wurde (...) Samuels diskutiert Adam Smiths angebliche Verwendung der unsichtbaren Hand in seiner politischen Ökonomie. (...) Samuels' Schlussfolgerungen in Aufsatz 10 lassen sich am besten in seiner Frage zusammenfassen: "Was bleibt von der unsichtbaren Hand?" (S.293) und durch seine Antwort: "Es gibt keine unsichtbare Hand, wie dieser Begriff in der Ökonomie verwendet wird. Die fortgesetzte Verwendung stellt im Grunde eine Peinlichkeit dar. Fast alle Verwendungen des Begriffs tragen nichts zum substantiellen Erkenntnisfortschritt bei."


Zitat: "Smith benutzte die Metapher der "unsichtbaren Hand", um ihre besonderen Aufgaben "in einer auffälligeren und interessanteren Weise zu beschreiben": Sie stellte die absolute Abhängigkeit des "gefühllosen Gutsbesitzers" von seinen Leibeigenen, Knechten und Pächtern ("keine Nahrung, keine Arbeit") dar und deren Abhängigkeit von ihm ("keine Arbeit, keine Nahrung"). Diese gegenseitige Abhängigkeit veranlasste den Gutsbesitzer, seine Ernten mit ihnen zu teilen, was ungewollt der Menschheit durch die "Vermehrung der Art" zugutekam (Theory Moral Sentiments,1759, p. 185); und es war die von einigen, aber nicht allen Kaufleuten empfundene Unsicherheit, die sie dazu veranlasste, lieber in die "heimische Industrie" (viermal erwähnt) zu investieren, als den "Außenhandel des Konsums" zu riskieren (Wealth Of Nations, 1776, S. 456), was ebenfalls ungewollt der Gesellschaft zugutekam, indem es zu inländischen Einnahmen und Arbeitsplätzen beitrug. Smiths Verwendung (History of Astronomy, 1795, S. 49) der "unsichtbaren Hand des Jupiter" gibt einfach den heidnischen Glauben der Römer über ihren Gott Jupiter wieder, von dem sie glaubten (aber nie gesehen haben), dass er seine Blitze auf die Menschen wirft. In allen drei Fällen ist es offensichtlich, dass für Smith die "unsichtbare Hand" nicht existiert; sie ist eine imaginäre Sprachfigur und ein eingebildeter heidnischer Glaube. Wir können nicht sehen, aber wir können uns vorstellen; wir können wählen, ob wir glauben oder nicht glauben wollen. Die "unsichtbare Hand" "entspricht nichts in der Realität", sie "trägt nichts zur Erkenntnis bei" und ist eine "Ablenkung und ein Ablenkungsmanöver." (Samuels, S. 146)


Was wir also bei Smith tatsächlich sehen, ist die Verwendung der unsichtbaren Hand, um die Beziehung des Feudalherrn zu seinen Bauern zu beschreiben (und zwar offensichtlich vor dem Kapitalismus und damit vor der "Marktwirtschaft", da es sich um eine Beziehung handelt, die auf sichtbarer Gewalt und nicht auf der unsichtbaren Hand der Preise beruht), in Bezug auf seine Überzeugung, dass es eine gewissermaßen natürliche Neigung gibt, für den heimischen Verbrauch zu produzieren, und schließlich auf die Bewegung der Himmelskörper. Nichts davon hat etwas mit Preissignalen und unsichtbaren Händen zu tun, die zu einer effizienten Allokation von knappen Ressourcen führen.


Kein Wunder, dass die Ökonomen Smiths Vorstellung von der unsichtbaren Hand bis nach dem Zweiten Weltkrieg fast keine Beachtung schenkten!


Nachkriegsentwicklungen in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie


Seit den 1870er Jahren gibt es den Versuch, zu zeigen, dass Märkte dazu tendieren, ein "allgemeines Gleichgewicht" zu erzeugen - auch wenn man sich nicht auf Smith oder die unsichtbare Hand bezog.


Die Diskussion über dieses Thema kann ziemlich komplex geführt werden, was die konservativen Ökonomen aber grundsätzlich zeigen wollten, war, dass "Nachfrage und Angebot" für alle produzierten Güter und Dienstleistungen durch flexible Preise und Löhne ins Gleichgewicht gebracht werden können. Wenn jeder Markt im Gleichgewicht ist, dort wo die Nachfrage gleich dem Angebot ist, nennen wir das ein allgemeines Gleichgewicht.


Das ist eine Vereinfachung, die für unsere Zwecke ausreicht. Es stellte sich heraus, dass es eine sehr schwierige Sache ist, dies zu zeigen und, ob Sie es glauben oder nicht, höhere Mathematik erfordert. In der Tat ist es so komplex, dass der Beweis für die Existenz eines allgemeinen Gleichgewichts erst in den 1950er Jahren erbracht wurde - etwa 80 Jahre nach Beginn des Projekts. Und selbst dann waren die Ergebnisse äußerst enttäuschend.


Erstens erfordern die Bedingungen, die für den Nachweis der Existenz des Gleichgewichts erforderlich sind (technisch gesehen ein Vektor relativer Preise, der die Übernachfrage auf jedem Markt eliminiert), eine sehr einfache und unrealistische Welt. Für unsere Zwecke ist es relevant zu bemerken, dass die hypothetische Welt niemals Geld verwenden würde! (Studenten der Wirtschaftswissenschaften wissen auch, dass es keine Zeit, keine Ungewissheit, ein walrasianisches Auktionshaus und so weiter braucht. Im Wesentlichen schließt man bei der Geburt einen Vertrag für alle Transaktionen ab, die man im Laufe seines Lebens tätigen wird, unter vollkommener Sicherheit und ohne jegliche Reue.)


Zweitens stellte sich heraus, dass das Gleichgewicht weder eindeutig noch stabil ist. In der Tat erkannte man, dass es viele Gleichgewichte gibt, vielleicht unendlich viele, und wir können nicht sagen, dass irgendeines besser ist als ein anderes. Und wenn wir uns nicht im Gleichgewicht befinden, werden uns die Marktkräfte nicht in eines der Gleichgewichte bewegen.


Das ist verdammt enttäuschend, denn das Ziel war ja, zu zeigen, dass "freie Märkte" uns in ein Gleichgewicht bringen würden, in dem die Preise signalisieren, wie die Ressourcen am besten zu verteilen sind.


Das tun sie nicht. Die "unsichtbare Hand" ist völlig machtlos. Man könnte genauso gut einen Diktator haben. Oder eine Diktatur des Proletariats. Oder ein Münzwurf. Oder ein "Winner-take-all". Oder irgendeine andere Methode, um Ressourcen zu verteilen. Wir können nicht zeigen, dass Märkte einen besseren Job machen würden.


Jeder, der Ihnen sagt, dass die Ökonomie zeigt, dass die unsichtbare Hand "funktioniert", ist ein Narr oder ein Lügner oder verwirrt. Es ist schlicht und einfach so, dass die strenge ökonomische Theorie so etwas nicht zeigt.


(1926 schrieb Keynes einen großartigen Aufsatz über "Das Ende des Laissez Faire"; ich werde ihn nicht im Detail durchgehen, aber was er argumentierte, ist, dass kein Ökonom jemals die Vorstellung akzeptierte, dass der freie Markt "funktioniert". Er sagte, dass nur politische Ideologen diese Idee vorantrieben, eine Idee, die er in seinem Aufsatz gründlich zerstörte. Im letzten Drittel des Aufsatzes versuchte er jedoch, eine alternative Sichtweise zu entwickeln - und scheiterte. Er brauchte zehn Jahre - bis 1936 - um die Alternative zu schaffen, die dann zur „Allgemeinen Theorie“ wurde. Erst als er seine Theorie der effektiven Nachfrage formulierte und die "besonderen Eigenschaften des Geldes" ansprach, konnte er der Ideologie des freien Marktes etwas entgegensetzen).


Warum habe ich der Diskussion über die unsichtbare Hand so viel Raum gewidmet? Weil sich so viele "Marktwirtschaftler" auf diesen Begriff und auf die angebliche Weisheit von Adam Smith verlassen, um ihre ideologische Agenda durchzusetzen.


Um es klar zu sagen: Die Unfähigkeit zu zeigen, dass eine unsichtbare Hand "funktioniert", klärt die Frage nach der bestmöglichen Erfüllung des Gemeinwohls nicht. Es "beweist" in keiner Weise, dass eine "große Regierung" besser ist als eine "kleine Regierung". Es "beweist" nicht, dass der beste Weg zur Sicherstellung des öffentlichen Zwecks darin besteht, sich auf die Regierung zu verlassen, statt auf die Märkte. Und es beweist auch nicht, dass wir eine expansive, progressive Sichtweise über das Gemeinwohl annehmen sollten. Aber es macht einen höchst skeptisch gegenüber "unsichtbaren" Handbewegungen auf "freien Märkte".


Dennoch muss man zugeben, dass in Wahrheit die Ökonomie allein diese Fragen nicht beantworten kann.


Kehren wir nun zum eigentlichen Thema zurück: Kann ein Vertreter der österreichischen Schule die MMT übernehmen?


MMT für Österreicher


Ich verwende die Österreicher als Beispiel für diejenigen, die eine sehr enge Sichtweise auf das Gemeinwohl bevorzugen und glauben, dass "freie" Märkte den größten Teil öffentlicher Aufgaben erfüllen können. Daher sollte die Rolle der Regierung recht begrenzt sein. Offensichtlich sind die Österreicher nicht die einzigen Konservativen, die diese Ansichten vertreten. Sie bieten jedoch eine einigermaßen konsistente und kohärente Alternative sowohl zu orthodoxen als auch zu heterodoxen Ansätzen in der Wirtschaftswissenschaft.


(Einige zählen die Österreicher zu den heterodoxen Ökonomen, und in der Tat es gibt gewisse Ähnlichkeiten - bei Themen wie Zeit, Erwartungen und Unsicherheit. Während ich in diesen Dimensionen die Ähnlichkeiten zwar anerkenne, akzeptiert der Rest der Heterodoxie Elemente des keynesianischen, institutionalistischen und/oder marxistischen Denkens, die den Österreichern ein Gräuel sind. Daher ordne ich die Österreicher in ihr eigenes Lager ein. Für die Zwecke der folgenden Diskussion ist das aber nicht wirklich wichtig).


Die österreichischen Ansichten über die Regierung sind bekannt. Außerdem sind Österreicher häufige Kommentatoren auf MMT-Blogs, und viele haben gefragt, ob Österreicher MMT akzeptieren können.


Ich möchte den Österreichern versichern, dass MMT nicht nur für die Befürworter einer starken Regierung akzeptabel ist. In der Tat war ich immer wieder überrascht, dass einige der vehementesten Kritiker von MMT unter den Libertären und Österreichern zu finden sind.


Wenn es einen MMT-Beitrag gibt, werden die Kommentare oft von Verschwörungstheoretikern, Regierungshassern und Befürworter eines Goldstandards dominiert, die sich sicher sind, dass die MMT-ler in ihrem Bestreben vereint sind, den Staat zu vergrößern, bis er die gesamte Wirtschaft auffrisst. Einige Österreicher stimmen diesen Kritiken zu. Dieser Abschnitt wird versuchen, diese Befürchtungen zu zerstreuen.


Erstens ist MMT eine Beschreibung der Art und Weise, wie eine souveräne Währung funktioniert. Ob man sie liebt oder hasst, unsere souveräne Regierung gibt Geld aus, indem sie es auf Bankkonten gutschreibt. In den letzten 20 Jahren hat MMT die schmutzigen operativen Details dieser Vorgänge recherchiert, analysiert und dokumentiert. Wir könnten stundenlang Vorträge über die Bilanzmanipulationen halten, an denen das Finanzministerium, die Fed, die primären Wertpapierhändler, die besonderen Depots und die regulären Privatbanken jedes Mal beteiligt sind, wenn das Finanzministerium einen Notizblock bei OfficeMax kauft. Wir haben die Arbeit gemacht, damit Sie, unsere österreichischen Kollegen, sie nicht mehr machen müssen. Und glauben Sie mir, Sie wollen es auch nicht tun. Sie können direkt zur Schlussfolgerung übergehen: "Ja, die Regierung gibt aus, indem sie Bankkonten erhöht, sie zieht Steuern ein, indem sie sie diese belastet, und sie verkauft Anleihen, um einen zinsbringenden Ersatz für niedrig verzinste Reserven zu schaffen."


Ein paar Libertäre und Österreicher haben das jetzt verstanden, obwohl einige von ihnen, anstatt uns für diese gut gemachte Arbeit zu danken, sofort MMT angreifen, weil es erklärt, wie die Dinge funktionieren. Nun, warum sollten sie das tun? Weil sie befürchten, dass, wenn wir den politischen Entscheidungsträgern und der allgemeinen Öffentlichkeit erklären, wie die Dinge funktionieren, demokratische Prozesse unweigerlich den Staatshaushalt in die Luft jagen werden, da jeder mehr von der Regierung verlangt - das ist genau der Grund, aus dem Samuelson diese "altmodische Religion" befürwortete, ohne die wir ins Simbabwe-Land gehen, mit einer Hyperinflation, welche die Währung zerstört.


Ok, verstanden.


Aber auch die MMT-ler fürchten die Inflation. In der Tat war "Preisstabilität" immer eine der beiden Hauptaufgaben des UMKC-Zentrums für Vollbeschäftigung und Preisstabilität.


(Ich weise darauf hin, dass mein Freund Edward Harrison MMT seit langem in seinem eigenen Blog vertritt, http://www.creditwritedowns.com/, auch wenn er mit vielen von uns in Bezug auf die Rolle der Regierung nicht einverstanden ist. Es gibt also Ausnahmen, die erkennen, dass MMT für Ökonomen aller Überzeugungen nützlich ist).

Sicherlich glauben viele Libertäre und Österreicher, dass die einzige narrensichere Methode zur Vermeidung von Inflation darin besteht, zum Goldstandard zurückzukehren. Nochmals, verstanden. Aber kritisieren Sie deswegen doch nicht unser Beschäftigungspuffer-System für seine angebliche politische Undurchführbarkeit! Zum Goldstandard zurückzukehren ist noch unwahrscheinlicher. (Ich würde darauf wetten, dass eine sozialistische Verteilung von Unterwäsche wahrscheinlicher ist als eine Rückkehr zum Goldstandard).


Wie auch immer, wir wollen (auch) keine schwarzen Hubschrauber, die herumfliegen und Säcke mit Bargeld abwerfen; und wir sind (auch) gegen ein staatliches "Aufpumpen" der Nachfrage - Libertäre und Österreicher und sogar Milton Friedman haben Recht mit ihrem Argument, dass dies Inflation erzeugen würde.


Wenn ich es mir recht überlege, haben die MMTler mehr mit den Österreichern gemeinsam als mit dem "militärischen Keynesianismus", der annimmt, dass hohe Ausgaben für den Verteidigungssektor Vollbeschäftigung bewirken werden, wodurch die positive Entwicklung auch den Schwächsten zu Gute kommt („trickle down“). Die meisten MMTler glauben, dass wir eine unerträgliche Inflation bekommen würden, bevor die Jobs in Harlem ankommen.


In jedem Fall ist es wahr, dass es eine zweite Ebene der MMT gibt: Wir nutzen unser Verständnis der Funktionsweise des Geldes, um rationale Analysen in die Politik der Regierung einzubringen. Da ein unfreiwilliger Zahlungsausfall für eine souveräne Regierung im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich ist, bewegen wir uns schnell jenseits von Ängsten über Staatsdefizite und Schuldenquoten und all dem anderen Unsinn, der Washington derzeit im Griff hat.


Können wir uns Vollbeschäftigung "leisten"? Ja. Können wir uns die soziale Sicherheit "leisten"? Ja. Können wir es uns "leisten", Wein in alle Trinkbrunnen zu stellen? Ja.


Das Problem IST NICHT – ES KANN NICHT – die Bezahlbarkeit sein. Es geht um Ressourcen.


Arbeitslosigkeit ist einfach: Per Definition ist jemand, der arbeitslos ist, verfügbar, um eingestellt zu werden. Also kann die Regierung ihn in Arbeit bringen. (Einen Plan finden Sie in der nächsten Beitragsserie.)


Die soziale Sicherheit ist etwas schwieriger: Können wir den alten Menschen (plus deren Angehörigen und Menschen mit Behinderungen) genügend Ressourcen zur Verfügung stellen, damit sie ein komfortables Leben im amerikanischen Stil genießen können? Bei allen vernünftigen Prognosen zur Demografie und zur Produktionsfähigkeit der USA lautet die Antwort: Ja. Die Prognosen könnten sich als falsch erweisen. Aber wenn sie das tun, wird die Bezahlbarkeit immer noch nicht das Problem sein - es wird dann ein Ressourcenproblem sein.


Und schließlich: Wein in Trinkbrunnen? Es gibt vermutlich nicht genug guten Wein, aber wir könnten wahrscheinlich alle Trinkbrunnen mit billigem französischen Wein füllen. Wenn uns der Wein ausgeht, kann Missouri die Lücke füllen (für diejenigen, die nicht zufällig im Mittleren Westen der USA leben: der große MO war vor der Prohibition der zweitgrößte Weinproduzent nach NY).


Auch hier handelt es sich um ein Ressourcenproblem, und wenn wir die amerikanischen und kanadischen Prärien auf Weinproduktion umstellen, könnten wir sogar dieses Problem lösen.


Die vielleicht wichtigste Politik, die von den meisten MMT-Anhängern vorangetrieben wird, ist der Vorschlag der Jobgarantie/Arbeitgeber der letzten Instanz. Dieser bietet jedem, der arbeiten will, einen von der Regierung finanzierten Arbeitsplatz zu einer einheitlichen Grundvergütung (Lohn plus Sozialleistungen).


Viele unserer libertären/österreichischen Mitreisenden scheinen dieses Programm zu hassen, wiederum aus unbegreiflichen Gründen. Ich vermute, dass sie es als eine Art „Großer Staat = Big Brother“-Programm fehlinterpretieren, das auf einer seltsamen Kombination von Zwang plus Wohlfahrt basiert.


Eine häufig gemachte Behauptung ist, dass dieses Programm gleichzeitig jeden zur Arbeit "zwingt" wie es auch jeden dafür bezahlt, wenn er nicht arbeitet. Tatsächlich ist es ein rein freiwilliges Programm, nur für diejenigen, die arbeiten wollen. Diejenigen, die nicht arbeiten wollen, können nicht teilnehmen.


Libertäre und Österreicher sollten es lieben. Es ist nicht Big Brother. Es ist nicht einmal „großer Staat“. Die Arbeitsplätze müssen überhaupt nicht von der Regierung bereitgestellt werden. Keiner muss einen Job annehmen. Es steht im Einklang mit den, wie ich denke, am meisten geschätzten Normen von freiheitsliebenden Libertären und Österreichern.


Zusammengefasst:


1. MMT ist konsistent mit jeder Größe der Regierung. Es kann eine kleine libertäre Regierung sein, wenn gewünscht. Aber sie gibt eine souveräne, flexible Währung heraus. Sie stützt die Akzeptanz dieser Währung, indem sie eine in dieser Währung zu zahlende Steuer erhebt.


2. Die Jobgarantie (JG) / der Arbeitgeber der letzten Instanz ist auch mit jeder Größe der Regierung vereinbar. Wenn Sie einen großen Privatsektor und einen kleinen Staatssektor wollen, halten Sie die Steuern und Staatsausgaben niedrig. Das setzt Ressourcen frei, die vom großen privaten Sektor genutzt werden können. Aber Sie werden die JG brauchen, um die Arbeitsressourcen aufzunehmen, die der private Sektor nicht vollständig einsetzen kann.


3. Die JG kann beliebig dezentralisiert sein. Ich denke, es gibt massive Anreizprobleme, wenn man den Bund die Löhne der gewinnorientierten Unternehmen zahlen lässt. Ich würde also die Bundesregierung die Löhne im Programm zahlen lassen, aber die Arbeitsplätze sollten tatsächlich von gemeinnützigen Unternehmen und kommunalen Regierungen (vielleicht der Landesregierung, vielleicht nur als letzter Ausweg der Bundesregierung) geschaffen und verwaltet werden. Argentinien hat mit Kooperativen experimentiert und sie schienen mir sehr erfolgreich zu sein.


4. Das Problem mit einer monetären Wirtschaft (Sie können es Kapitalismus nennen, wenn Sie wollen) ist, dass die Auferlegung von Steuern von Anfang an Arbeitslosigkeit schafft (diejenigen, die nach Geld suchen, um Steuern zu zahlen). Wenn wir dies auf unsere moderne, fast vollständig monetarisierte Wirtschaft hochskalieren (man braucht Geld, um zu essen, fernzusehen, mit dem Handy zu spielen usw.), dann suchen alle nach Geld (und nicht nur, um Steuern zu zahlen). Es ist schiere Torheit, dann den privaten Sektor zu zwingen, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, welches durch die Steuern der Regierung geschaffen wurde. Der private Sektor allein wird niemals Vollbeschäftigung schaffen (hat es nie getan). Die JG ist eine logische und empirische Notwendigkeit zur Unterstützung des privaten Sektors. Sie ist eine Ergänzung, kein Ersatz für die Beschäftigung im privaten Sektor.


5. Wie kann die Überzeugung, dass alle arbeiten und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten sollten, anstatt herumzuliegen und Sozialhilfe zu kassieren, als Sozialismus bezeichnet werden? Wie kann das Angebot von bezahlter Arbeit als Sklaverei oder Faschismus bezeichnet werden? Es bietet lediglich bezahlte Arbeit für diejenigen an, die arbeiten wollen, um einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, und verbessert die Wahlmöglichkeiten und die Freiheit.

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