Grundlagen der Jobgarantie: Aufbau und Vorteile

Jeden Freitag veröffentlichen wir einen kurzen Beitrag von Randall Wray, der schrittweise eine umfassende Theorie aufbaut, wie Geld in souveränen Ländern "funktioniert". Die Beitragsserie entstammt der Einführung in die "Modern Monetary Theory" (MMT) von Randall Wray aus dem Jahre 2011 auf der Website „New Economic Perspectives“ und wurde von Michael Paetz und Robin Heber ins Deutsche übersetzt. Zudem wird Vorstandsmitglied Dirk Ehnts jeden Freitagabend von 19-20 Uhr auf Facebook Fragen zum Beitrag der Woche beantworten. Ihr könnt uns natürlich auch gerne Fragen über das Emailformular (unten auf dieser Seite) schicken.

Von L. Randall Wray


Programmdesign


Die Jobgarantie (JG) ist ein Programm, bei dem die Regierung verspricht, jeder arbeitssuchenden oder unterbeschäftigten Person, die bereit und willens ist zu arbeiten, einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Die nationale Regierung stellt Mittel für ein universelles Programm bereit, das einen einheitlichen Stundenlohn mit einem Paket von Sozialleistungen bietet. Das Programm könnte Teilzeit- und Saisonarbeit sowie andere flexible Arbeitsbedingungen vorsehen, falls gewünscht.


Das soziale Leistungspaket müsste vom Kongress genehmigt werden, könnte aber Gesundheitsfürsorge, Kinderbetreuung, Altersrente oder Sozialversicherung sowie die üblichen Urlaubs- und Krankheitszeiten beinhalten. Der Lohn würde von der Regierung festgelegt und so lange fixiert, bis die Regierung einer Erhöhung zustimmt - ähnlich wie der Mindestlohn normalerweise gesetzlich festgelegt wird.


Der Vorteil des einheitlichen Grundlohns ist, dass er den Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern einschränken würde, da Arbeiter aus der JG vom Privatsektor leicht abgeworben werden könnten, indem ein Lohn gezahlt wird, der leicht über dem des Programms liegt. Er stellt auch sicher, dass alle Arbeiter im Programm "gleich" behandelt werden, in dem Sinne, dass ihre Entlohnung die gleiche ist.


Es kann eingewendet werden, dass ein Arbeiter, der einen 80.000-Dollar-Jahresjob verliert, mit dem JG-Job nicht so glücklich sein wird wie einer, der einen 25.000-Dollar-Job verliert. Der Arbeitnehmer mit dem höheren Einkommen hätte schließlich Schwierigkeiten, seinen bisherigen Lebensstil aufrechtzuerhalten und die Schulden zu decken, die er gemacht hat, als das Einkommen hoch war. All dies ist wahr.


In gewissem Sinne ist das ein "Gestaltungsmerkmal" des Programms. Ich meine das nicht abwertend. Die Idee ist, dass diejenigen, die aus dem Programm aussteigen können, so schnell wie möglich Jobangebote in der Privatwirtschaft (und auch Nicht-JG-Jobs im öffentlichen Sektor) annehmen. Und wir können sicherlich die Programme beibehalten, die derzeit bestehen, um solchen Arbeitnehmern zu helfen (z.B. Hilfe bei Hypothekenzahlungen), während sie wieder in höher bezahlte Jobs wechseln. Aber wir wollen ihnen keine hohen Löhne in der JG zahlen, die sie davon abhalten würden, Jobangebote in der Privatwirtschaft anzunehmen.


Schließlich hatten diejenigen, die vor dem Verlust ihres vorherigen Arbeitsplatzes hoch bezahlt wurden, zumindest die Möglichkeit, sich ein privates Polster für solche Notlagen aufzubauen. Diejenigen, die immer im Niedriglohnbereich gearbeitet haben, hatten diese Möglichkeit nie. Denken Sie einmal darüber nach, wie sie sich fühlen würden, wenn sie neben anderen JG-Arbeitern arbeiten würden, die ein höheres Gehalt erhalten, nur weil ihre früheren Arbeitsplätze besser bezahlt waren.


Aus diesen Gründen argumentieren viele von uns, die die JG unterstützen, dass unter dem Strich ein einheitliches Vergütungspaket am besten ist. Wenn die Gesellschaft dann der Meinung ist, dass Verlierer von Hochlohnjobs eine Sonderbehandlung verdienen, kann ein separates Sicherheitsnetz demokratisch beschlossen werden. Das JG-Programm selbst sollte nicht durch die Einführung einer Vielzahl von "bedürftigkeitsgeprüften" Leistungen kompliziert werden.


Auch dies entspricht dem allgemeinen, "universellen" Design: Nimm die Arbeiter so wie sie sind, zahle ihnen gleiche Löhne und Leistungen für gleiche Arbeit.


An dieser Stelle ist es wichtig, eine weitere Bemerkung hinzuzufügen. Oft beginnen Kritiker dann irgendeine Beschwerde mit "Nun, mit dem JG-Programm kann man Arbeiter nicht feuern....". Lassen Sie uns also klarstellen: das JG-Programm nimmt nur arbeitswillige Arbeiter. Diejenigen, die nicht den Erwartungen entsprechend arbeiten, werden gefeuert.


Letzte Woche habe ich in meiner Antwort auf Kommentare gesagt, dass wir Anpassungen vornehmen müssen: Die Jobs müssen so gestaltet werden, dass sie zu den Arbeitern passen. Wenn zum Beispiel ein sehbehinderter Mitarbeiter die Aufgaben, die mit einem Job verbunden sind, für den er sehen muss, nicht ausführen kann, ist es richtig, ihm einen anderen Job anzubieten - und nicht, ihn aus dem Programm zu werfen. Ein Mitarbeiter, der regelmäßig zu spät kommt, betrunken ist oder anderweitig gegen angemessene Arbeitsregeln verstößt, unterliegt jedoch den üblichen Disziplinarmaßnahmen, einschließlich Entlassung. Die JG ist nicht für jedermann, und es ist keine Sozialhilfe. Es ist ein Beschäftigungsprogramm für diejenigen, die arbeiten wollen.


Programmvorteile


Zu den Vorteilen gehören die Verringerung der Armut, die Verbesserung vieler sozialer Missstände, die mit chronischer Arbeitslosigkeit einhergehen (Gesundheitsprobleme, Missbrauch des Ehepartners und Trennung der Familie, Drogenmissbrauch, Kriminalität), und die Verbesserung der Fähigkeiten durch Training am Arbeitsplatz.


Mathew Forstater hat hervorgehoben, wie ein solches Programm zur Erhöhung der wirtschaftlichen Flexibilität und zur Verbesserung der Umwelt eingesetzt werden kann.


Das Programm würde die Arbeitsbedingungen in der Privatwirtschaft verbessern, da die Mitarbeiter stets die Möglichkeit hätten, in das JG-Programm zu wechseln. Die Arbeitgeber des privaten Sektors müssten daher ein Lohn- und Sozialleistungspaket sowie Arbeitsbedingungen anbieten, die mindestens so gut sind wie die des Programms.


Der informelle Sektor würde schrumpfen, da die Arbeitnehmer in die formelle Beschäftigung integriert werden und so arbeitsrechtlichen Schutz genießen. Diskriminierung am Arbeitsmarkt aufgrund der Rasse oder des Geschlechts könnte in gewissem Maße reduziert werden, da diskriminierte Personen die JG-Option hätten. Auch ist seit langem bekannt, dass Vollbeschäftigung ein wichtiges Instrument im Kampf für Gleichberechtigung ist.


Schließlich betonen einige Befürworter, dass ein Programm mit einem einheitlichen Grundlohn auch dazu beiträgt, die Wirtschafts- und Preisstabilität zu fördern.


Das JG -Programm wird als automatischer Stabilisator wirken, da die Beschäftigung im Programm in der Rezession wächst und in der wirtschaftlichen Expansion schrumpft und so den Beschäftigungsschwankungen im privaten Sektor entgegenwirkt. Der Bundeshaushalt wird antizyklischer, weil seine Ausgaben für das JG-Programm in der Rezession ebenfalls steigen und in der Expansion sinken.


Darüber hinaus reduziert der einheitliche Grundlohn sowohl den Inflationsdruck in einem Boom als auch den Deflationsdruck in einer Krise. In einer Hochkonjunktur können private Arbeitgeber aus dem Arbeitskräftepool des Programms rekrutieren und zahlen dafür einen Aufschlag auf den Programmlohn. Der Pool wirkt wie eine "Reservearmee" von Beschäftigten, die den Lohndruck dämpft, wenn die private Beschäftigung wächst. In einer Rezession können Arbeitnehmer, die von privaten Arbeitgebern entlassen werden, zum JG-Lohn arbeiten, was die Löhne und Einkommen nach unten begrenzt. Wir werden einige Details in den folgenden Blogs weitergehend untersuchen.


Abschließende Anmerkungen


Letzte Woche wurde behauptet, dass eine "großzügige Bezahlung" in der JG die "Arbeitssuche" in der Privatwirtschaft reduziert. Lassen Sie uns ein Gedankenexperiment machen. Nehmen wir an, dass das derzeitige niedrig bezahlte Jobangebot in der ekelhaftesten Art von Arbeit, die der private Sektor anbietet, 8 Dollar pro Stunde beträgt, bevor ein JG-Programm eingeführt wird. Um einen Arbeiter für den allerschlimmsten Job zu rekrutieren, muss diese "schlimmste Firma in Amerika" 8 Dollar pro Stunde anbieten, bevor es eine JG gibt.


Jetzt schaffen wir das JG-Programm, damit jeder Arbeiter 10 Dollar pro Stunde bekommen kann. Offensichtlich kann der schlechteste Arbeitgeber in Amerika niemanden zu 8 Dollar pro Stunde einstellen, oder sogar zu 19 Dollar pro Stunde. Um einen Arbeiter dazu zu bewegen, die JG zu verlassen, um den schlechtesten Nicht-JG-Job in Amerika zu bekommen, muss der Arbeitgeber vielleicht 10,25 Dollar pro Stunde oder sogar mehr zahlen. Es ist möglich, dass angesichts der JG-Option die allerschlechtesten Arbeitgeber in Amerika Löhne anbieten müssten, die sie aus dem Geschäft bringen.


Das ist wahr.


Das gleiche Argument kann man aber auch für den Mindestlohn anführen: Firmen, die es sich nicht "leisten" können, den geltenden Mindestlohn zu zahlen, können (legal) nicht im Geschäft bleiben.


Ich kann dies nicht als legitimen Einwand gegen die JG sehen. Es ist ein Fortschritt.


Aber der wichtigere Punkt ist dieser: Mit der JG setzen der Programmlohn und die Leistungen eine effektive Untergrenze, einen effektiven Mindestlohn. Wie Hyman Minsky immer zu argumentieren pflegte, ist ohne die JG der gesetzlich festgelegte Mindestlohn eine Lüge. Der wahre Mindestlohn ist Null - wenn man keinen Mindestlohnjob findet, bekommt man einen Nulllohn. Mit der JG ist der wahre Mindestlohn der Programmlohn (plus Zusatzleistungen).


Und dieser Programmlohn kann nicht "marktbestimmt" sein. Er muss sozial bestimmt sein: Die Regierung bietet eine unendlich elastische Nachfrage nach Arbeit zu dem Lohn (plus Leistungen), den sie zu zahlen beschließt. Sie legt den Lohn als öffentliche Politik fest und stellt dann all jene ein, die das Angebot eines Arbeitsplatzes annehmen.


Um Arbeitskräfte zu bekommen, muss der private Sektor etwas anbieten, das besser ist als das Vergütungspaket der JG. Das kann ein höherer Lohn sein, bessere Sozialleistungen, bessere Arbeitsbedingungen oder bessere Möglichkeiten zur Karriereentwicklung.


Wie viel muss er bieten, um den Deal zu versüßen? Das hängt von der Stelle und dem Arbeitgeber ab - aber das ist etwas, was "Arbeitsmärkte" können sollten: um Arbeitskräfte konkurrieren. Egal, wo wir die JG anfangs ansetzen, die Privatwirtschaft wird sich anpassen - und Angebote machen, um die Arbeitnehmer von der JG wegzulocken.


Aber, ja, einige der schlimmsten Arbeitgeber in Amerika werden das Geschäft aufgeben. Andere werden einen Anreiz haben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und vielleicht die Belegschaft zu reduzieren, indem sie die Produktionstechniken umstellen (zum Beispiel mehr Maschinen und weniger Arbeiter einsetzen).


Darin liegt nichts Neues. Die Märkte reagieren auf steigende Löhne mit Prozessen, die Ökonomen schon seit Hunderten von Jahren bekannt sind.


Es ist immer wieder bemerkenswert, wie wenig Vertrauen unsere "freien Marktwirtschaftler" in die "unsichtbare Hand" des Marktes haben!

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