Das Geld der Anderen


Im Verlag John Hopkins University Press erschien letztes Jahr in der Reihe "How things worked" ein Buch zur Geldschöpfung in den USA mit dem Titel "Other people's money - How banking worked in the early American Republic". Der Titel ist eine Anspielung auf das 1914 veröffentliche Buch "Other people's money - and how the bankers use it" von Louis Brandeis, eine Attacke auf die Finanzmärkte und insbesondere die Banken. (Und dessen Titel wiederum ist ein Zitat aus Adam Smith, Reichtum der Nationen, S. 33.) Der Autorin des vorliegenden Buches, Sharon Ann Murphy, ist ein großer Wurf gelungen. Das Buch ist sehr gut lesbar und stellt wesentliche Zusammenhänge richtig dar.


Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt, die historische Phasen umfassen. Los geht es mit dem revolutionären Amerika, dann die frühe Republik und die Zeit des "Bankenkriegs". Antebellum Amerika und die Finanzierung des Bürgerkriegs runden das Buch ab. Das Buch enthält sehr viele erhellende Erklärungen, u. a. zum Fiatgeld. So schreibt die Autorin, dass Fiatgeld (Papiergeld) dort erfolgreich war, wo es in der Menge limitiert war auf zukünftige Steuereinnahmen (S. 19). Fiatgeld würde nur darauf beruhen, das der Staat seine Bürger über die Steuern dazu verleitet. "Colonists were willing to accept this money partially because they had no other alternative, yet the government did promise to accept these same notes in payment of future taxes". Murphy erkennt, dass dabei die Steuerzahlung dazu führt, dass die Regierung das an sie zurückgeflossene Geld zerstört (S. 21). So viel zu dem Mythos, Staatsausgaben würden durch Steuern finanziert. Es ist genau anders herum: Staatsausgaben finanzieren Steuerzahlungen!


Zu Beginn der Republik gab es Probleme, weil die Zentralregierung zwar Geld schöpfen konnte, die Steuern jedoch von den Bundesstaaten eingezogen wurden (S. 22). Die Staaten sollten also das Geld zerstören, was die Bundesregierung in Umlauf brachte. Dies sorgte für Spannungen im Geldsystem. Immer wieder wurde die Gesellschaft gestört von der Idee, die Staatsverschuldung zu reduzieren. Ein Rechtsanwalt aus Connecticut beobachtete, dass die hohen Steuerzahlungen zu Spannungen und "bürgerlicher Zwietracht" führten in fast allen Staaten der Union (S. 26). Die folgende Knappheit von Geld führte zu Forderungen nach der Einführung einer Papierwährung durch den Staat (S. 27). Der Kongress hatte tatsächlich die Macht, sich Geld zu leihen oder Anleihen zu begeben auf Kredit der USA (S. 30). Aufgeklärte Politiker wie Alexander Hamilton sahen Schulden als "means of both creating the financial foundation on which to build an economy as well as binding the wealthiest Americans in national rather than state or local identity". Aus diesen Ausführungen wird klar, warum der Weg einer Reform des Euro so beschwerlich ist.


Das Buch enthält noch weitere Einsichten über die Entwicklung des Geldsystems in den USA und ist Interessierten sehr zu empfehlen. Eine deutsche Übersetzung wird es wohl leider nicht geben. Immerhin ist das Buch mit etwa 150 Seiten kurz und knackig und wird auch nicht durch eine Armada von Fußnoten verschandelt (es gibt Endnoten am Schluss). Wer eine (kurze) Einführung in die US-amerikanische Geldgeschichte sucht kann hier zugreifen.

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