Schuldennation USA - Angriff der Zombie-"Vertrauensfeen"?


Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat in den deutschen Medien eine Flut von Kommentaren und Artikeln ausgelöst. In einem kürzlich bei SPON veröffentlichen Artikel ("Wie die Kapitalmärkte den Präsidenten stoppen können") wird den LeserInnen Hoffnung gemacht, dass Trump auf das Wohlwollen von "internationalen Investoren" angewiesen wäre, deren Vertrauen die Regierung Trump verspielen würde. Die Solvenz würde in Frage gestellt werden. Stimmt das?

Der Autor schreibt: 


Die Solvenz der USA ist die Achillesferse Trumpscher Politik. Sollten sich Zweifel an der Kreditwürdigkeit verfestigen, wäre das Resultat absehbar: höhere Zinsen, ein fallender Dollarkurs, verbunden mit anziehender Inflation (achten Sie auf die Statements der Fed-Chefin am Dienstag und Mittwoch in beiden Kammern des US-Parlaments) und geringeren Investitionen. Ein ungemütliches Szenario. Der Lebensstandard vieler US-Bürger wäre gefährdet - und die Popularität des Präsidenten gleich mit.


Was hier als ungemütliches Szenario verkauft wird, ist ein Angriff der Zombie-Vertrauensfeen ("Zombie confidence fairies", frei nach Paul Krugman) und meiner Meinung nach mit ökonomischer Theorie nicht zu halten. Die große Frage hier ist die, ob ein Staat Pleite gehen kann, der sich in seiner eigenen Währung verschuldet. Nur ein solcher Staat mit Option "Pleite" muss sich über eine wie auch immer geartete "Solvenz" Gedanken machen. Ist die US-Regierung abhängig von ihren Gläubigern und diesen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert?


Die Antwort lautet: nein. Abgesehen von einer Schuldenobergrenze ("debt ceiling"), die ab und an mal vom Kongress erhöht werden muss, gibt es keine institutionellen Stolpersteine, welche zu einer Insolvenz (oder Illiquidität) der USA führen würden. Die Zentralbank der USA (die Federal Reserve Bank) kann unbegrenzt bereits im Handel befindliche Staatsanleihen kaufen und tut dies auch. Was der Artikel bei SPON verschweigt, ist dass die Fed der größter Besitzer US-amerikanischer Staatsanleihen ist (Quelle)!



Die US-Zentralbank hält treuhänderisch Staatsanleihen für ausländische Anleger, und der Wert dieses Portfolios hat sich von 1.200 Mrd. USD vor der Krise auf mehr als 3.000 Mrd. USD in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Sind dadurch die Inflationsrate gesunken und die Zinsen gefallen? Wohl eher nicht. Die rote Linie gibt den Übernachtzins auf dem Interbankenmarkt an, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins lag nahe bei Null und ist auch nicht durch den Kauf von Staatsanleihen durch Ausländer angestiegen, so wie es aussieht. Auch die Inflation lag nach der Krise ziemlich stabil bei 0-4%, ohne signifikante Korrelation mit den Veränderungen der ausländischen Investoren.


Wenn es also bei einer Erhöhung des Anteil von Ausländern bei US-Staatsanleihen nicht zu einer Aufwertung des US-Dollars, einer niedrigeren Inflationsrate und einem niedrigeren Zins kommt, dann ist bei einer Umschichtung wieder zurück Richtung altes Portfolio auch kein großes Wunder zu erwarten. Die US-Zentralbank setzt halt den kurzfristigen Zins, die Inflationsrate hängt weitestgehend von Lohnstückkostenwachstum und Wechselkurs ab und letztere ultimativ dann von den Spielchen an den Finanzmärkten, die losgelöst von allen Fundamentaldaten betrieben werden.


Die Zombie-Vertrauensfeen werden der Regierung Trump keinen Zahn ziehen. Daher sollte man sein Vertrauen nicht in die Finanzmärkte setzen. Sie werden Trump nicht aufhalten können.

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