Modern Monetary Theory und die Regierung Biden

Aktualisiert: Juli 4


Am 17. Juni wurde ein Video bei C-SPAN, dem Politik-TV der USA, veröffentlich, welches sehr aufschlussreich ist. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat John Yarmouth aus Kentucky, beantwortet dabei Fragen zu staatlichen Defiziten und Schulden unter Rückgriff auf die Modern Monetary Theory (MMT). Er empfiehlt sogar "The Deficit Myth", den Bestseller von Stephanie Kelton. Yarmouth erklärt unter anderem auf die Frage "How can we afford it?" (Wie können wir uns das leisten?): "We can afford it because we determine how much money is in the system at the federal level. The federal government is not like any other user of currency, not like any household, any business, any state or local government. We issue our own currency and we can spend enough to meet the needs of the American people, the only constraint being that we do have to worry about inflation from that spending."


Übersetzt ins Deutsche sagt er: "Wir können es uns leisten, weil wir auf Bundesebene bestimmen, wie viel Geld im System ist. Die Bundesregierung ist nicht wie jeder andere Nutzer von Währung, nicht wie jeder Haushalt, jedes Unternehmen, jede staatliche oder lokale Regierung. Wir geben unsere eigene Währung aus und können genug ausgeben, um die Bedürfnisse des amerikanischen Volkes zu befriedigen, wobei die einzige Einschränkung darin besteht, dass wir uns um die Inflation durch diese Ausgaben sorgen müssen." Weiter sagte Yarmouth: "The American people need an education about how the monetary system does work. [...] ". A lot of economists now are saying "wait a minute, maybe we have been thinking about debt the wrong way." (Das amerikanische Volk muss darüber aufgeklärt werden, wie das Geldsystem wirklich funktioniert, Viele Ökonomen sagen jetzt: "Moment mal, vielleicht haben wir falsch über Schulden nachgedacht.")


Greta Brawner fragt ihn dann: "How should we be thinking about debts and deficits?". Yarmouth empfiehlt dann das Buch von Stephanie Kelton und sagt: "What she [Kelton] says is that if you look at the total national debt, $28 trillion right now is what we think of, don't think of it as debt. Think of it as all the money that the federal government has invested in our country minus taxes. And that's really what it is. These $28 trillion dollars did not exist before the federal government issued them. So, the federal government has the ability to create money, create financing, and that's what we've been doing and will continue to do". (Übersetzung: Was sie [Kelton] sagt, ist, dass wenn man sich die gesamte Staatsverschuldung ansieht, 28 Billionen Dollar im Moment, denken Sie nicht an Schulden. Betrachten Sie es als all das Geld, das die Bundesregierung in unser Land investiert hat, abzüglich der Steuern. Und das ist es, was es wirklich ist. Diese 28 Billionen Dollar existierten nicht, weil die Fed sie ausgegeben hat. Also, die Bundesregierung hat die Fähigkeit, Geld zu schaffen, schaffen Finanzierung, und das ist, was wir getan haben und weiterhin zu tun.)


Yarmouth sagt weiter: "Historically, what we've always done is said: what can we afford to do? And that is not the right question. The right question is: what do the American people need us to do? And that question becomes the first question, once you've answered that then you say how do you resource that need? That's not just money, that's also capacity. For instance, there's a $250 billion investment in child care in the American Families Plan. You can't just say we're gonna give $250 billion to people to pay for their child care because there is not enough capacity. [..] So what you have to do is to spend part of that money on building capacity so that there is enough child care to serve us, the people who need it." (Übersetzung: Historisch gesehen, haben wir immer gesagt: Was können wir uns leisten? Und das ist nicht die richtige Frage. Die richtige Frage ist: Was brauchen die Amerikaner von uns zu tun? Und diese Frage wird zur ersten Frage, wenn man sie beantwortet hat, dann sagt man, wie man dieses Bedürfnis befriedigen kann. Das ist nicht nur Geld, das ist auch Kapazität. Zum Beispiel gibt es im American Families Plan eine Investition von 250 Milliarden Dollar in die Kinderbetreuung. Sie können nicht einfach sagen, wir geben den Leuten 250 Milliarden Dollar, um ihre Kinderbetreuung zu bezahlen, weil es nicht genug Kapazitäten gibt. [...] Was man also tun muss, ist, einen Teil dieses Geldes für den Aufbau von Kapazitäten auszugeben, damit es genug Kinderbetreuung gibt, um uns, die Menschen, die sie brauchen, zu bedienen.")


Yarmouth sagt noch weitere interessante Sachen, unter anderem erklärt er, warum wir falsch über Geld denken (weil wir als Geldnutzer nur die Haushaltsperspektive kennen).

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