Geld als Steuergutschrift


Die Frage „Was ist Geld?“ beschäftigt seit Jahrhunderten die Ökonomen. Der UCLA-Ökonom Axel Leijonhufvud merkte einmal im Rahmen einer Summer School in Trento lapidar an, dass dies vielleicht keine gute Frage sei. Inzwischen sind wir uns sicher, dass die Frage doch sehr interessant ist und Leijonhufvud nur die richtige Antwort fehlte: 

Modernes Geld ist eine Steuergutschrift.

Diese Aussage kann natürlich keine Allgemeingültigkeit besitzen, ist aber für 99% der Bevölkerung wohl eine sehr gute Antwort, die akzeptiert werden kann. Der Staat, z. B. In Deutschland, gibt Geld aus in „seiner“ Währung, wobei das bei uns der Euro ist. Er bezahlt seine Rechnungen, indem die Bundesbank das Guthaben der empfangenen Bank erhöht. (Unter welchen Umständen die Bundesbank Zahlungen der Regierung durchführt erklären wir an anderer Stelle. Hier halten wir einfach fest, dass das noch nie nicht geklappt hat.)


Der Kontostand der Bank sieht vor der Zahlung vielleicht so aus:


Bank X __________10.000.000 Euro

Nach der Überweisung sieht es so aus:

Bank X __________11.000.000 Euro

Der Staat hat also einer Kundin der Bank X eine Million Euro überwiesen. Diese werden dem Konto der Kundin gutgeschrieben (500 Euro hatte sie nur noch - Glück gehabt!):


Kundin Y_________1.000.500 Euro


Warum aber sollte Kundin Y, die etwas an den Staat verkauft hat, überhaupt eine Zahlung in Euros akzeptieren? Warum nimmt sie keine Dollars oder Bitcoin?

Der Grund liegt darin, dass Kundin Y wie auch alle anderen Deutschen ihre Steuern in Euro zu entrichten haben und diese Währung daher immer gefragt ist. Wir brauchen sie halt alle zur Steuerzahlung und auch zur Zahlung von Schulden in Euro. Daher wird immer eine hohe Nachfrage nach Euros vorhanden sein.

Die Euros, die die Bundesbank im Auftrag der Regierung geschaffen hat, sind Steuergutschriften. Kundin Y könnte in Steuern in Höhe von einer Million Euro damit begleichen. Einen anderen Anspruch an den Staat hat sie nicht. Früher hätte sie Gold verlangen können, vor einem halben Jahrhundert noch eine bestimmte Menge US-Dollar. Heute aber verspricht der Staat bei „seinem“ bzw. „unserem“ Geld nur, dass er dieses für Steuerzahlungen in gleicher Höhe annimmt. Das war es.

Wer sich auf den beschwerlichen Weg nach Frankfurt/M macht und vor der EZB mit seinem Geld herumwedelt, der wird nur ein müdes Lächeln ernten. Staatliches Geld, wie Bargeld, ist keine „Verschuldung“ der Zentralbank, die das Bargeld in Umlauf bringt, oder der Regierung. Der Staat ist Schöpfer des Geldes und „schuldet“ keine Rückzahlung, sondern Rücknahme. Das ist analog zum Banker, der über Kredit Bankeinlagen erzeugt und den Kunden ebenfalls keine Rückzahlung schuldet, sondern Rücknahme (sowie zusätzlich die Umwandlung von Bankguthaben in staatliches Geld).

Wenn wir dann Steuern zahlen, dann nutzen wir dazu Euros. Das ist aber „nur“ die Bezeichnung der Währung. Konkret sind es die Euros auf den Konten der Banken bei der Bundesbank, die zur Steuerzahlung an den Staat überwiesen werden. Steuern werden nur „unbar“ gezahlt, was de facto bedeutet, dass es sich um eine Banküberweisung handelt.

Unsere Bankeinlagen werden dabei vom Staat nicht akzeptiert für Steuerzahlungen. Sonst hätte der Staat nach jedem Jahr Guthaben bei allen möglichen Banken! Das wäre viel zu kompliziert. Also ist es so, dass die Banken dem Staat Guthaben bei der Zentralbank transferieren in Höhe der Steuerzahlung der Kundin. Damit und nur damit sind die Steuern dann bezahlt. Hat die Bank nicht genügend Zentralbankguthaben (Reserven), kann die Kundin ihre Steuern nicht zahlen - ihre Bank ist zahlungsunfähig.

Dies kommt normalerweise nicht vor, aber es passiert doch. So wurden beispielsweise während der Eurokrise auf Zypern im Rahmen eines Bail-in Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Die Guthaben in Euro bei den Banken waren noch da, aber die Banken durften keine größeren Überweisungen ins Ausland mehr durchführen. Da wurde dann deutlich, dass Bankeinlagen in Euro nicht das sind, in dem ultimative die Steuern gezahlt werden.

Die Idee, dass Geld eine Steuergutschrift ist, gibt es schon seit Jahrhunderten. U. a. schrieb Georg Friedrich Knapp darüber in seiner Staatlichen Theorie des Geldes (1905). Die meisten Menschen fragen sich wohl nie, was Geld eigentlich ist oder wozu das gut ist - ist ja klar: Mit Geld kann man Sachen kaufen! Das stimmt auch. Die große Frage ist aber, warum das so ist und wer bestimmt, was eigentlich Geld ist. Und genau hier kann die Theorie des modernen Geldes als Steuergutschrift wertvolle Erklärungen beisteuern.

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