Geld als gesellschaftliche Autoprogrammierung


Wer glaubt, die Digitalisierung sei ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, muss sein Geldverständnis überprüfen.


Stellen Sie sich vor, jemand  behauptete, der Binärcode „0“ und „1“, auf dessen Grundlage sich die analoge Zählweise durch eine digitale ersetzen lässt und durch den die sogenannte digitale Revolution  ermöglicht wurde, bestünde nur aus der „0“.


Wer würde so jemanden ernstnehmen?


Oder jemand behauptete, die „0“ sei moralisch gut, die „1“ sei moralisch schlecht. Sinnlos, nicht wahr?


Die Sinnlosigkeit derartiger Aussagen ergibt sich daraus, dass „0“ und „1“, „Null“ und „Nicht-Null“, „Ja“ und „Nein“ ein geschlossenes System bilden, in dem jedes der beiden Teile jeweils ausschließlich negativ durch das andere definiert ist. 


Die „1“ ist die „Nicht-0“ und die „0“ ist die „Nicht-1“.


Es bedarf keiner großen geistigen Klimmzüge um zu erkennen, dass „Geld“ ebenfalls ein binäres System, gebildet aus Geld einerseits und Geldschulden andererseits, darstellt.


„Geld“ ist ohne Schulden, die sich mit dem Geld begleichen lassen, ein sinnloser Begriff.  Geldschulden können nur da entstehen, wo es Geld zu ihrer Begleichung gibt.


Wer der Argumentation bis hierher gefolgt ist, stellt eine terminologische Uneindeutigkeit fest.


Der Begriff „Geld“ kommt nämlich als dessen Bezeichnung sowohl auf der Ebene des Systems, als auch innerhalb des Systems als Bezeichnung einer von zwei Einzelkomponenten vor.


Was aber ist dann eigentlich Geld? Der Gegenbegriff zu Schulden innerhalb des Systems oder das Zusammenspiel von Geld und Schulden auf der Ebene des Gesamtsystems?


Dass man sich diese Frage überhaupt stellen kann, liegt daran, dass anders als im Fall des Binärcodes, der das Computerzeitalter eröffnete, beim Geld der Mensch als Programmierer und die Maschine als zu Programmierende nicht eindeutig getrennt sind.


Bestandteil der Einführung des Geldes ist vielmehr gerade die binäre wirtschaftliche Programmierung der Gesellschaft als sozialer Maschine und damit des Menschen selbst. 

Am augenfälligsten wird dies am Beispiel öffentlicher Abgaben. 


Bis zur Einführung des Geldes sind öffentliche „Abgaben“ genau das: Sie werden in analoger Form als Teil der eigenen Produktion oder Arbeitskraft (Frondienste) erbracht. 


Mit Einführung des Geldes wird die Abgabepflicht zur Steuerschuld, alle analogen Leistungen werden in das binäre System von Geld und Verbindlichkeiten überführt. Ab sofort lassen sich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse aller Personen als kaufmännische Bilanz darstellen.


Kein Wunder also, dass Geld und Schulden nicht einfach als zwei Seiten derselben Medaille, sondern unter dem Gesichtspunkt der subjektbezogenen Erwünschtheit betrachtet werden.

Wer über Geld spricht, spricht im Regelfall nicht über das System, sondern als Akteur innerhalb des Systems.


Jedes Gespräch über das Geld als System verlangt daher im Umkehrschluss die Fähigkeit, die eigene Beurteilung von Geld und Schulden als soziale Programmiertheit zu begreifen. 

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