Deutsche Bundesbank: Geldmultiplikator ist falsch!

Die Deutsche Bundesbank hat auf ihren Webseiten eine interessante Seite mit Fragen und Antworten (Link). Die Seiten gehören zu einem Schülerbuch Geldpolitik (digital) und sind geldtheoretisch spannend. In den Lehrbüchern zur Makroökonomie steht ja bis heute, dass die Zentralbank Geld an die Banken verleiht, welches es dann weiter verleihen an Haushalte und Unternehmen. Da Banken jeden Euro an Zentralbankgeld mehrfach verleihen würden, entsteht so eine Art auf den Kopf gestellte Pyramide: jeder Euro Zentralbankgeld erzeugt mehrere Euro an Giralgeld. Das Verhältnis von Giral- zu Zentralbankgeld wird auch als Geldschöpfungsmultiplikator bezeichnet. Auch wenn das gut klingt, ist es dennoch falsch. Die korrekte Funktionsweise findet sich in dem Buch "Geld und Kredit: eine €-päische Perspektive" (Link), aber inzwischen wird diese auch von der Bundesbank vertreten. Hier die entscheidende Frage mit der Antwort von den Seiten der Bundesbank:

Benötigt die Geschäftsbank zuerst Zentralbankgeld, bevor sie Kredite vergeben kann, aus denen ihr Zahlungsverpflichtungen entstehen können? Welche Rolle spielt (dabei) die Mindestreserve?

Das Modell des Geldschöpfungsmultiplikators, das in vielen Lehrbüchern zur Geldtheorie dargestellt wird, unterstellt, dass einer Geschäftsbank zunächst zusätzliches Zentralbankgeld zugeflossen sein muss, bevor sie zusätzliche Kredite gewähren kann, aus denen ihr Zahlungsverpflichtungen in Zentralbankgeld entstehen können. In der Praxis ist dieser Zusammenhang nicht zwingend gegeben [Anm. des Autors: "nicht zwingend" = "eigentlich nie"]. So sind einzelne Geschäftsbanken normalerweise stets in der Lage, sich bei Bedarf Zentralbankgeld kurzfristig über den Geldmarkt zu beschaffen – das heißt, von anderen Geschäftsbanken zu leihen. Außerdem bietet das Eurosystem den Geschäftsbanken die Möglichkeit, sich – gegen Verpfändung von ausreichenden Sicherheiten – Zentralbankgeld über Refinanzierungsgeschäfte oder ständige Fazilitäten zu beschaffen. Abgesehen davon verfügen die Geschäftsbanken im Normalfall stets über ein gewisses Guthaben in Zentralbankgeld. Denn jede Geschäftsbank ist verpflichtet, eine Mindestreserve in Zentralbankgeld zu halten (die nach der Höhe ihrer Kundeneinlagen zu einem bestimmten Zeitpunkt bemessen wird). Diese Mindestreserve muss aber nicht permanent, sondern nur im Durchschnitt über die vier- oder fünfwöchige Mindestreserveperiode gehalten werden. Die Geschäftsbanken können diese Einlagen auf ihrem Zentralbankkonto kurzfristig nutzen, um Zahlungspflichten nachzukommen.


Im Zuge der Banken- und Staatsschuldenkrise waren einzelne Geschäftsbanken aufgrund der Vertrauenskrise unter Banken nicht in der Lage, sich Zentralbankgeld von anderen Geschäftsbanken zu leihen. Das Eurosystem hat deshalb dem Bankensystem in dieser Phase über zusätzliche Refinanzierungsgeschäfte sowie eine Vollzuteilungspolitik zusätzliches Zentralbankgeld bereitgestellt.

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