Zentralbanken und das Gold: wo ist es denn?


Eine der Fragen, die immer wieder kommen, ist die nach der Verbindung von Geld und Gold. Alle, so scheinen es, kennen den Goldstandard, aber keiner kennt anscheinend dessen Ende. Viele Leute nehmen noch immer an, dass Geld "für etwas" steht. Ein schneller Blick in die Tresore bringt dringend benötigte Aufklärung.


Die Zentralbank der USA, die Federal Reserve Bank, schreibt auf ihrer Homepage:


Does the Federal Reserve own or hold gold?

The Federal Reserve does not own gold.


The Gold Reserve Act of 1934 required the Federal Reserve System to transfer ownership of all of its gold to the Department of the Treasury. In exchange, the Secretary of the Treasury issued gold certificates to the Federal Reserve for the amount of gold transferred at the then-applicable statutory price for gold held by the Treasury.


Gold certificates are denominated in U.S. dollars. Their value is based on the statutory price for gold at the time the certificates are issued. Gold certificates do not give the Federal Reserve any right to redeem the certificates for gold.


Ins Deutsche übertragen steht dort, dass die Zentralbank kein Gold hält. Ein Gesetz von 1934 sorgte dafür, dass sämtliches Gold der Zentralbank an das Finanzministerium abgeführt wurde. Dafür bekam die Zentralbank Zertifikate, die allerdings kein Recht beinhalten, gegen diese an Gold zu kommen.


Auch die Zentralbankfiliale in New York City betont, dass sie kein eigenes Gold im Tresor liegen hat:


None of the gold stored in the vault belongs to the New York Fed or the Federal Reserve System. The New York Fed acts as the guardian and custodian of the gold on behalf of account holders, which include the U.S. government, foreign governments, other central banks, and official international organizations. No individuals or private sector entities are permitted to store gold in the vault.


Es wird also nur Gold im Auftrag von US-Regierung, ausländischen Regierungen, anderen Zentralbanken und offiziellen internationalen Organisationen gehalten.


Auch beim Nachbarn im Norden sind die Tresore leer: kein Gold weit und breit bei der Bank of Canada, der kanadischen Zentralbank.


Nicht sehr anders sieht es in Großbritannien aus, wo die Bank of England zwei - ja, zwei! - Goldbarren besitzt. Beide befinden sich im Museum der britischen Zentralbank.


Überraschenderweise besitzen die nationalen Zentralbanken größere Goldbestände. Etwas über €370 Mrd. an Gold weist die Statistik der Europäischen Zentralbank aus. Nur €10 Mrd. davon ist der EZB zuzuschreiben (Quelle). Der Rest wird von den nationalen Zentralbanken gehalten. Anfang 2017 berichtete die Deutsche Bundesbank:


Rund 3.378 Tonnen Gold sind heute im Besitz der Deutschen Bundesbank. Ende 2016 waren diese Goldbestände etwa 119,3 Milliarden Euro wert. Deutschland verfügt damit über den weltweit zweitgrößten Goldbestand nach den Vereinigten Staaten. Der Goldbestand stellt zwei Drittel der deutschen Währungsreserven dar, der Rest entfällt auf Devisenreserven und Forderungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wie den Sonderziehungsrechten.


Auch die Schweizer Nationalbank hält Gold, lehnte aber eine Bürgerinitiative zur Erhöhung der Goldbestände ab (Quelle). Hier ist ein Ausschnitt der Argumentation:


Die von den Initianten genannten Ziele wie die Sicherung der Währungs- und Preisstabilität und die Sicherung der Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit der Nationalbank teilt die Nationalbank. Die vorgeschlagenen Massnahmen sind dazu aber nicht geeignet, ja sie sind sogar kontraproduktiv. Sie beruhen vielmehr auf Missverständnissen über die Bedeutung des Goldes in der Geldpolitik und würden die geldpolitische Handlungsfähigkeit der Nationalbank auf eine Weise einschränken, die den angestrebten Zielen zuwiderläuft. Diese Massnahmen würden mit anderen Worten in bestimmten Situationen die Erfüllung des geldpolitischen Auftrags der Nationalbank massgeblich erschweren und sich zum Nachteil der Schweiz auswirken. 


Das heutige Geld wird nicht deswegen akzeptiert, weil die Leute dafür Gold bekommen können, sondern weil wir unsere Steuern in der jeweiligen Währung zahlen müssen. Die Kaufkraft des Geldes hängt dann aber von der Inflationsrate, die im wesentlichen durch Veränderungen der Lohnstückkosten - also durch Löhne und Produktivität - beeinflusst wird.

0 Ansichten
  • Facebook - Weiß, Kreis,
  • Twitter - Weiß, Kreis,
  • YouTube - Weiß, Kreis,
samy3.png
Schreiben Sie uns eine Nachricht
logo-mobile.png
pufges.png

IMPRESSUM || DATENSCHUTZERKLÄRUNG

© 2019 by Samuel Pufendorf Gesellschaft für politische Ökonomie e.V., 10823 Berlin (info@pufendorf-gesellschaft.org).