Trügerisches Wirtschaftswissen


Im Jahr 2015 ist ein Artikel von Prof. Dr. Fritz Helmedag erschienen, der sich mit akademischen Fehlurteilen und populären Irrtümern beschäftigt. Der Artikel kann hierheruntergeladen werden. Der Text ist gerade für Studierende besonders geeignet, da die Fundamente der herrschenden Lehre und deren Kritik diskutiert wird. Häufig sieht man ja im Studium den Wald vor lauter Bäumen nicht. Es folgende einige Absätze aus dem Teil des Textes, der auch das Geld betrifft:


"Die Auswirkungen dieses Prozesses auf die Eigenschaften des ökonomischen Systems können nicht überschätzt werden. Die Art und der Umfang des zeitgenössischen Wirtschaftens heben sich fundamental von der Vergangenheit ab. Die Tauschbeziehungen zwischen den Menschen vermittelt nunmehr ein Geld, das zwar ohne nennenswerte Produktionskosten aus der Taufe gehoben wird, aber gleichwohl in omnipotenter Manier Reichtum verkörpert."


"Grundsätzlich existiert kein absolutes Limit für den Schöpfungsprozess des Kreditgeldes. Es handelt sich zunächst um einen reinen Buchungsvorgang: Darlehensgeber und -nehmer verlängern im ersten Schritt ihre Bilanzen, pari passu wachsen die Forderungen und Verbindlichkeiten bei den beiden Beteiligten. Keine Seite wird in diesem Moment reicher oder ärmer. Das ungedeckte Geld der Gegenwart ist nichts anderes als die wie auch immer dokumentierte Forderung an eine Zentral- oder Geschäftsbank, welcher eine betragsgleiche Verbindlichkeit der Emittenten gegenübersteht. Die Giralgelderzeugung lässt im Augenblick ihres Entstehens die Sachvermögensposition der Beteiligten unberührt. Das war früher anders: Beim Goldstandard musste das Metall vorhanden sein, ehe es verliehen werden konnte. Dies setzt dem Darlehensvolumen eine natürliche Grenze, die heute weggefallen ist. Der Glaube, wonach Kreditinstitute nichts weiter als Finanzintermediäre sind, die von den einen Depositen einwerben, um sie mit Aufschlag an andere auszureichen, prägt nach wie vor das Denken vieler, darunter etliche vermeintliche Fachleute. Im Dunkeln bleibt, dass das Geschäftsbankensystem bei einer Mindestreserveverpflichtung unter 100 % (Buch-)Geld schaffen kann. Das Geldvolumen ist unter den gegebenen Verhältnissen weitgehend endogen und wird der Wirtschaft eben nicht von außen injiziert."


Diese Erklärung der Geldschöpfung der Geschäftsbanken findet sich leider nicht in den aktuellen Lehrbüchern, die immer noch mit dem "Geldmultiplikator" arbeiten. Während dabei angenommen wird, dass Banken Zentralbankgeld weiter verleihen an Haushalte und Unternehmen, ist dies in der Realität so gut wie unmöglich. Nur bei einem Barkredit zahlt die Bank dem Kreditnehmer tatsächlich staatliches Geld (der Zentralbank) aus, im Normalfall aber schreibt sie den entsprechenden Kreditbetrag dem Kunden auf dem Konto gut. Dies geht über die Bankensoftware, benötigt wird dafür weder Bargeld noch Zentralbankgeld und schon gar keine Ersparnisse.


(Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geld#/media/File:200_Euro.Recto.printcode_place.png)

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