Knut Wicksell über Geldzins und Güterpreise


Knut Wicksell beschreibt in seinem Klassiker aus dem Jahr 1898 die Kreditschöpfung der Banken wie folgt (S. 101-102, Quelle):


"So viel Geld bei den Banken nachgefragt wird, so viel können sie — die Solidität des Borgers vorausgesetzt — auch leihen. Sie thun ja dabei nicht mehr, als eine Zahl in das Konto des Borgers als bewilligten Kredit oder fingiertes Depositum einzutragen. Werden ihnen nachher die daraufhin gezogenen Checks präsentiert, so schreiben sie den betreffenden Betrag dem Konto des Checkinhabers als eingezahltes Depositum (oder abgezahlte Schuld) gut. Das „Angebot an Geld“ wird also durch die Nachfrage selbst geschaffen."


Diese Textstelle belegt, dass die Kreditschöpfung der Banken als Bilanzverlängerung und ohne Gegenwert in Gold oder Edelmetall - aus dem Nichts - schon im 19. Jahrhundert in der deutschsprachigen Literatur bekannt war. Wicksell, ein Schwede, war eine der führenden Ökonomen seiner Zeit, auf den u. a. Keynes sich bezog.


Wicksell versteht, dass Banken die Kontrolle über eigene Buchführung haben und das die Zahlen auf den Konten von der Bank bestimmt werden. Die "Solidität des Borgers" klingt ein bisschen seltsam, bezieht sich aber auf Sicherheiten des Kreditnehmers und macht also auch heute noch Sinn. Interessant ist auch der letzte Satz, dass nämlich die Nachfrage nach Geld das Angebot selbst schafft! Und das ist auch der Grund, warum normalerweise ein modernes Geldsystem nicht in die nächste Hyperinflation führt. Kredit müssen zurückgezahlt werden, und daher ist die Nachfrage nach Kredit nicht unendlich. Wicksell erkannte auch, dass die Unternehmen die Zinsen aus Profiten bestreiten. Auch dies ist eine Hürde für die Kreditnehmer, es wird deren Nachfrage nach Kredit begrenzen.


Aktuell ist es in der Eurozone wohl so, dass viele Unternehmen sehr viel verdienen und daher kaum Kredite nachfragen, während die Unternehmen in den Krisenländern relativ wenig Bedarf an Krediten haben, da die Wirtschaft dort nicht so gut läuft. Dies wäre eine gute Erklärung für die Tatsache, dass trotz der Niedrig-Zinsen die Inflationsrate in der Eurozone deutlich zu niedrig ist.

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