Können deutsche Staatsschulden durch Krypto-D-Mark auf null reduziert werden?


Im Spiegel gab es jüngst ein Interview mit dem US-Ökonomen Kenneth Rogoff (Link- Paywall!). Die Überschrift lautete:


"Deutschland könnte vermutlich auf einen Schlag seine Schulden zurückzahlen"


Diese Aussage verwundert. In dem Interview sagt Rogoff einiges, dem zuzustimmen wäre. U. a. sagt er:


Rogoff: Die Blockchain-Technologie - eine Art dezentrales, verschlüsseltes Grundbuch - könnte viele Mittlerfunktionen überflüssig machen, nicht nur bei Zahlungen, sondern bei Verträgen aller Art. Aber wenn die libertären Prediger der Bitcoin-Community glauben, sie könnten mit einer Kryptowährung die staatliche Hoheit über das Geldwesen umgehen, dann irren sie. Regierungen setzen die Regeln, und sie werden die Kontrolle über Zahlungsmittel und Geldpolitik nicht aus der Hand geben.


Das ist wohl richtig. Die Staaten werden niemals Bitcoin für Steuerzahlungen akzeptieren, da sie damit die Nachfrage nach ihrer eigenen Währung reduzieren. Diesen Punkt hatte jüngst auch Paul Krugman betont, was wir auch auf unserem Blog (hier) aufgegriffen hatten.


Später kommt dann die Aussage zur Tilgung der deutschen Schulden:


SPIEGEL: Es geht folglich nicht darum, ob, sondern in welcher Form Kryptowährungen überleben. Was wäre beispielsweise, wenn die Bundesbank eine Cyberwährung ausgeben würde?


Rogoff: Eine digitale D-Mark ist nur theoretisch denkbar, weil die Bundesbank die Hoheit über die Währung an die EZB abgegeben hat. Aber angenommen, die Bundesbank könnte eine Cyberwährung ausgeben, würde sie ein gigantischer Erfolg. Deutschland könnte vermutlich auf einen Schlag seine Schulden zurückzahlen, weil eine anonyme deutsche Digitalwährung begehrt wäre. Aber sie würde auch Probleme schaffen. Jeder würde die Währung nutzen wollen, und das würde die Welt ins Chaos stürzen.


Diese Aussagen erscheinen sehr fragwürdig. Die Bundesbank ist nicht die deutsche Regierung, sondern ein Teil des Staates. Die Staatsschulden sind jedoch Sache des Bundes, also der Regierung. Einzig über Gewinne der Zentralbank, die an das Finanzministerium überwiesen werden, könnte eine Verbindung von der Ausgabe einer Cyberwährung durch die Bundesbank zu einer Tilgung der deutschen Staatsschulden entstehen. Dies ist aber höchst unwahrscheinlich. Denn die Bundesbank müsste ihre Kryptowährung an Dritte verkaufen und dabei einen hohen Gewinn erzielen. Dies ist aber nur sehr schwer vorstellbar. Schließlich wird die Kryptowährung als Verbindlichkeit der Zentralbank verbucht, und damit wird durch einen Verleih nur ein Zinsgewinn anfallen, so wie es auch bei "normalem" Zentralbankgeld ist. Auch die DM war übrigens im 20. Jahrhundert sehr stark gefragt als Wertaufbewahrungswährung, trotzdem führte das nicht zu hohen Zentralbankgewinnen und niedrigen deutschen Staatsschulden.


Eine Zentralbank verleiht normalerweise Währung an Banken, Profite entstehen dann aus der Differenz zwischen den Zinsen der Aktiva und denen der Passiva. Traditionell sind die von den Banken gehaltenen Einlagen bei der Zentralbank geringer verzinst als die Kredite der Zentralbank an die Banken. Dies sorgt für einen ziemlich sicheren Gewinn der Zentralbank.


Um aber Hunderte und Tausende Milliarden Euro bzw. DM einzunehmen müsste die Bundesbank ihre Kryptowährung verkaufen gegen andere Währungen oder Finanzanlagen und dabei "vergessen", dass jede DM in Kryptowährung eine Verbindlichkeit für die Zentralbank darstellt. Insofern ist die Überschrift im Spiegel nicht gedeckt durch diese Überlegungen. Glücklicherweise bleibt dann wohl auch das "die Welt ins Chaos stürzen" aus.

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