Hans-Werner Sinn zur Rolle der ÖkonomInnen


Hans-Werner Sinn, ehemals deutscher Vorzeigeökonom, fällt immer wieder durch provokative Beiträge auf, zuletzt zum Thema TARGET2. Jetzt hat er bei Wirtschaftliche Freiheit einen Text veröffentlicht, der zum Nachdenken anregt. Hier sind zwei wesentliche Absätze:


Wegen der so begründeten Beratungsresistenz der Politik müssen wir  das Volk direkt ansprechen. Wir müssen uns am öffentlichen Diskurs beteiligen. Wir müssen vereinfachen, aber nicht so, dass wir falsch werden. Die Bürger sind nicht dumm. Gerade in Deutschland gibt es wegen der Naivität unserer Vorfahren sehr viele klar denkende Menschen, die sich Sorgen machen, die die Dinge untereinander diskutieren und die nicht nur von oben gelenkt werden wollen. Sie wollen die wahren Argumente hören und am Diskurs beteiligt werden. Das ist ihr gutes Recht.


Mit dem Volk in den Diskurs zu treten ist deshalb eine wesentliche Aufgabe des Volkswirts, eines Volkswirts, der sich der Tradition der Kathedersozialisten und der Ursprünge des Vereins für Socialpolitik verpflichtet sieht. Kathedersozialisten und Volkswirte stehen den Sophisten nahe, die als Wanderlehrer durch die griechischen Städte zogen, um das Volk zu belehren und es zu befähigen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.


Wie Sinn auf die Idee kommt, sich in die Reihe der Kathedersozialisten einzureihen, ist mir nicht bekannt, spielt aber hier keine weitere Rolle. Zentral ist hier die Frage, wen der oder die ÖkonomIn adressiert: die KollegInnen, die PolitikerInnen, die Studierenden oder die Öffentlichkeit?


Im jetzigen System der Universitäten kämpfen ÖkonomInnen um Stellen, indem Sie in Fachzeitschriften veröffentlichen. Diese werden aufgrund von relativ obskuren und unzuverlässigen Maßstäben in eine Reihenfolge gebracht, und die AutorInnen der Top-Journals werden dann an der Uni weiterbeschäftigt. Dies hat dazu beigetragen, dass sich die Volkswirtschaftslehre an den Unis in den letzten zehn Jahren nicht viel verändert hat. Eine der Folgen war übrigens die Gründung der Pufendorf-Gesellschaft e. V. im Jahr 2014.


Ziel der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft sollte es sein, die Fakten aus dem eigenen Bereich erklären zu können. Danach können sich die ÖkonomInnen an die Öffentlichkeit wenden und/oder an PolitikerInnen. Zuletzt war es häufig so, dass politische Parteien ihren "Hausökonomen" hatten (meistens männlich). Eher weniger war es so, dass ÖkonomInnen sich an die Öffentlichkeit wendeten, nicht zuletzt, weil dies der eigenen Karriere nicht zuträglich war.


Wenn sich also ernsthaft etwas ändern soll bei der Rolle der ÖkonomInnen, dann müssten zunächst einmal die Stellenbesetzungen an etwas anderes ausgerichtet werden als der Publikationstätigkeit. Wir von der Pufendorf-Gesellschaft fänden es schön, wenn mehr öffentliche Debatten angestoßen werden würden durch die VolkewirtInnen aus der Universität. Der Meinungsvielfalt würde dies gut tun, und auch der Diskurs wäre ein anderer. Mehr Fakten und weniger Fake, so könnte es verknappt formuliert werden. Vielleicht bewegt sich ja doch noch etwas bei der universitären Ökonomik?

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