Geldtheoretische Debatte zu MMT bei Makroskop


Bei Makroskop hat Martin Höpner vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung eine Debatte zur Modern Monetary Theory (MMT) losgetreten. Sein "freundlich-kritischer" Beitrag wurde inzwischen von Paul Steinhardt, Mitherausgeber von Makroskop, und auch von Dirk Ehnts, Vorstand der Pufendorf-Gesellschaft, beantwortet. Im Wesentlichen geht es um die Frage, wie das Geldsystem und insbesondere die Zentralbank und die Staatsausgaben "funktionieren".

Hier ist, quasi als "teaser", die Zusammenfassung der MMT nach Martin Höpner:


MMT in a Nutshell

MMT verdichtet eine Anzahl von aus anderen Theoriekörpern wie dem Keynesianismus, dem Chartalismus und dem functional finance approach stammenden Einsichten und lässt daraus etwas Neues entstehen. Folgende Punkte dürfen wir als Grundpfeiler des Gedankengebäudes werten:


Currency issuer sind von currency usern zu unterscheiden. Der Staat und seine Zentralbank sind currency issuer. Ein issuer kann sich in der von ihm geschöpften Währung nicht überschulden.

Die Geldschöpfung und die Staatsausgaben sind der Besteuerung logisch vorgelagert. Aus einer Anzahl von Gründen (wir kommen darauf zurück) sammelt der Staat durch Besteuerung einen Teil des Geldes, das er den usern vorher zur Verfügung gestellt hat, wieder ein. Entscheidend ist hier die Reihenfolge: Staatsausgaben sind die Voraussetzung der Erhebung von Steuern, nicht umgekehrt.


Die Zentralbanken verfügen über das Monopol der Schöpfung von Zentralbankgeld. Dem Kreislauf des Zentralbankgelds ist allerdings ein zweiter und von diesem fast vollständig getrennter Geldkreislauf an die Seite zu stellen, der Kreislauf des Giralgelds. Geschäftsbanken schöpfen Giralgeld eigenständig „aus dem Nichts“, durch einen Akt der Bilanzverlängerung. Die Geldpolitik der Zentralbank beeinflusst die Zinsen, zu denen Kredite vergeben werden, ist aber nicht in der Lage, die Menge des geschöpften Giral- oder Zentralbankgelds zu steuern.


Alle Betrachtungen von Defiziten und Schulden müssen aus einer saldentheoretischen Perspektive erfolgen, die in Rechnung stellt, dass sich vollständig erfasste Salden stets auf null addieren. Defiziten des Einen stehen stets Überschüsse des Anderen, Schulden des Einen Ersparnisse des Anderen gegenüber.


In den Worten meines Kollegen Benjamin Braun (auf dem oben erwähnten Workshop): Alles spricht dafür, dass MMT mit diesen Punkten die derzeit beste deskriptive Theorie der Geld- und Kreditschöpfung liefert.


Update 1 (13.04.2018): Hier hat Heiner Flassbeck einige kritische Punkte der MMT diskutiert.

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